Juli 2013

Die letzten Monate verliefen dank der Tour etwas unsteter, so daß wir unsere Trainingspläne etwas umstellen mußten.


In unserer Rubrik "Expeditionen" haben wir von den 5 Wochen der Tour ja schon etwas berichtet, vor allem über Bogárs Wach-Trieb, aber allgemein sind die Entwicklungen der beiden ehemaligen Straßenhunde dort natürlich viel zu kurz gekommen. 


Unter anderem haben wir das Gefühl, daß die Lernerfolge trotz des langen Zusammenseins beim Reisen einen leichten Rückschlag erlitten haben - kaum merkbar, aber irgendwie schien es vorher besser und vor allem schneller zu klappen...bei Hunden ist es ja so, daß sie Erlerntes mit Orten verknüpfen. Ein "Sitz!" in der Nachbarschaft, wie es beinahe täglich geübt wird, läuft fast wie von selbst, ein plötzliches "Sitz!" an einem anderen Ort, vielleicht noch nicht einmal an einer Fahrbahn, dagegen nicht unbedingt. Bei einem unserer Gasthunde merkten wir zum Beispiel schnell, daß er gar nicht auf UNS achtete, während er für das Essen saß, sondern nur auf den Napf starrte. Das Sitzen lief schnell perfekt, jedoch hatte es nichts mit dem Befehl zu tun oder damit, daß die Ranghöheren ihm dies befahlen, sondern deshalb, weil der Junghund wußte, alle machen "Sitz" und dann gibt es endlich Futter. An anderer Stelle klappte es erst viel später so schnell mit dem Sitzen. 

Nun habe ich die Vermutung, daß die pausierende Zuhause-Routine während der Tour etwas eingerostet ist - zugunsten des Eingespieltseins auf Tour - und man hier wieder ein kleines Stückchen weiter hinten einsteigen muß, mit dem Training.

 

Natürlich sollte das eingespielte Team aus Hund und Mensch auf lange Sicht jederzeit und überall funktionieren, aber solche Stolpersteine verwundern uns aufgrund der Dauer des Trainings noch nicht. Immerhin haben die zwei kleinen Vierbeiner ihre ganz eigene Vorgeschichte (wie gern wüßten wir einfach alles aus ihrem früheren Leben!), dann leben sie erst ein gutes halbes Jahr mit uns zusammen und außerdem ist die Kombination aus zwei neuen Rudelmitgliedern aus dem Tierheim und gleich zwei Alpha-Wölfen, auf die diese achten müssen, ohnehin eine kompliziertere Situation, als wenn ein Hund auf ein neues Herrchen trifft, so daß wir noch sehr zuversichtlich sind,auch wenn es nicht immer perfekt läuft.

Gerade bei einem so charmanten kleinen Hund, der einen grundsätzlich zum schmunzeln und lächeln bringt ist es manchmal außerdem schwer, konsequent hart zu sein, wenn es erforderlich ist. Die kleine Bogár soll sitzen, währen wir die Terrassentür öffnen, um hinauszugehen und stattdessen stupst und leckt sie kurz über mein Schienbein und schaut mich dann fragend an. Das ist so eine schnelle, niedliche Bewegung, daß man unwillkürlich anfängt zu lachen. Was man natürlich, wie in der Kindererziehung, nicht machen sollte, wenn Hund einen Befehl mißachtet - egal wie süß auch das Alternativverhalten sein mag. So manche Mutter und Hundeeltern wissen sicher genau, wovon ich spreche. Unter anderem muß natürlich auch genauestens darauf geachtet werden, daß man die beiden Rudelmitglieder, abhängig aber von ihrem Rang, nicht zu unterschiedlich behandelt. Aber darauf gehe ich später noch ein. 

Um auf unsere fünfwöchige Schleswig Holstein-Umrundung zurückzukommen: wo Bogi in den letzten Monaten immer mal wieder mit Ihrem Mut punkten konnte - so war sie schneller gewillt, Treppen zu steigen, während Lou mit nicht weniger als einem Meter Abstand um die Ecke lugte und sich so tagelang dieses Teufelswerk besah, flitzte die kleine Affenpinscherdame schon munter die Treppen rauf und runter und hatte sichtlich Spaß, endlich mit Herrchen und Frauchen in jeden Raum des Hauses der Großeltern laufen zu können. Auch was laute Geräusche angeht ist Bogár um einiges furchtloser. Aber dazu ein andernmal mehr - war nun Lou an der Reihe! Er ist weiterhin der Chef von den beiden und Bogi bezeugt, wann immer nötig, ihre Anerkennung. Wenn nicht nötig, dann aber auch nicht. Und draußen, fernab von der heimischen Höhle, verläßt Bogi sich sehr auf den großen Anführer. Auf Hundesportplätzen ist sie ohne den Großen leider noch ein Häufchen Elend, mit Lobonc zusammen wird sie kühn. Schleswig Holstein in seiner Gänze ist nunmal nicht die Höhle, also erst einmal mit Skepsis zu betrachten und so wird der starke Wolf vorgeschickt, während aus etwas sichererer Lage aber alles genauestens beobachtet wird. 

Der liebe, treuherzige Lou blühte angesichts der neuen Aufgabe richtiggehend auf, er lief stolz neben Herrchen oder Frauchen her, war sehr aufmerksam, achtete auf alles, was um uns herum geschah, während wir liefen und war abends sichtbar erschöpft vom Tag - sobald das Zelt stand, schmiß er sich in den Vorraum und schlief ein. Wenn es darum ging, beim Ziehen des Kajaks in den ersten zwei Wochen zu helfen, bot er sich morgens immer schnell an. Er stellte sich, sobald es losgehen sollte, neben Falk und schaute ganz erwartungsfroh an ihm hoch. Durfte er mitziehen - wir mußten ihm Zwangspausen verordnen, weil er sonst bis zum Kollaps gearbeitet hätte - wuchs er innerlich um ganze Meter. Er schmiß sich ins Geschirr und sah glücklich und stolz aus. Sollte er nebenher laufen, versuchte er immer wieder nach vorn zu kommen, denn da brauchte Herrchen doch offensichtlich seine Hilfe!? Er wirkte ganz unzufrieden, wenn er einfach nur mitlaufen sollte, jeder andere hatte doch seine Aufgabe. Falk zog, ich steuerte und schob hinten und Bogi saß im Kajak und paßte auf. Da ist es verständlich, daß man als ebenbürtiges Rudelmitglied etwas frustriert ist, wenn man keine solche Aufgabe zugeteilt bekommt.


 

Lous Stolz brach allerdings jäh in sich zusammen, als es plötzlich in weiter Ferne grollte und donnerte. Dunkle Wolken zogen auf und auf Lou scheinen diese Vorboten eines Gewitters immer wie die Ankündigung des Endes der Welt zu wirken. Von der einen auf die andere Sekunde hält er inne, fällt innerlich ganz in sich zusammen und dreht beim Spazierengehen auf der Stelle um. Auf der Tour ging es dann schnell unters Kajak, ein Gebüsch oder, zu unserem Schrecken, einmal unter das Auto einer bei uns zum Plausch haltenden Schäferin. Hätte Lou verstanden, daß sie uns in dem Moment anbot, auf ihrem Hof zu zelten und nicht bei Gewitter dort am matschigen Ackerrand zu bleiben, hätte er uns sicher für verrückt erklärt, daß wir dieses freundliche Angebot nicht annahmen.

Bogi ließ sich bei keinem Donnergrollen etwas anmerken, sie scheint überhaupt was Umwelteinflüsse angeht recht stark und fest zu sein. Wahrscheinlich hat sie als kleiner Straßenhund in Budapest so ziemlich alles erlebt, was man als Hund so in der Stadt erleben kann und wurde so gefestigt. Lobonc hingegen, während seines drei Jahre währenden Aufenthalt in Lelenc, hat zwar sicher so manches Gewitter erlebt, aber eben von seinem Zwinger aus. In den ersten 8 Lebensmonaten hat er scheinbar nicht mitbekommen, daß wahrscheinlich nichts passiert, wenn man bei einem Gewitter draußen ist.


Wir sind sehr gespannt, wie es mit unseren neuen Rudelmitgliedern weitergeht und was für Seiten von sich sie uns noch zeigen. In den letzten Monaten sind sie immer mehr angekommen und aufgeblüht, was sehr schön zu erleben ist und einen immer wieder sehr erfreut.


Demnächst wird es hier mit Neuigkeiten von Lou und Bogi weitergehen - bis dahin freue ich mich auf Fragen, Anregungen und überhaupt Interesse!


Viele Grüße und bis bald!


 

Cathrin

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